Vier Aspekte unseres Körpers müssen im Gleichgewicht gehalten werden, damit er gesund bleibt: Die Doshas, die Dhatus (die sieben Gewebearten), die Malas (Ausscheidungs-produkte) und Agni (Stoffwechsel).

Ayurveda

Ayurveda – Das Wissen vom Leben.

 

Meine Begegnung mit Amma 1993 führte mich zum Yoga und kurz danach zu Ayurveda. Mir gefällt der ganzheitliche Ansatz und die tiefe Weisheit dieser Gesundheitslehre. Meine erste intensive Entgiftungskur, genannt „Panchakarma“, erlebte ich am Nexenhof (https://www.ayurveda-verein.at/), einem wunderschönen alten Gutshof im Weinviertel. Dabei erfolgt eine tiefe Entgiftung des Körpers mit Hilfe von Fasten, Ölmassagen, Sauna, Einläufen, Darmreinigung und individueller Kräutertherapie. Eine indische Ärztin war anwesend und jeden Tag wurde der Puls diagnostiziert – wir sollten möglichst viel ruhen, wenig lesen, Spaziergänge machen, beim Essen schweigen und hatten eine tägliche Yogastunde. Es war wunderbar und führte in der Folge zu einer losen medizinischen Zusammenarbeit, doch der Boden für Ayurveda in Österreich musste erst vorbereitet werden – nach langem Ringen entwickelte sich das Berufsbild der Ayurveda-Praktiker und der Nexenhof ist bis heute eine Aus- und Weiterbildungsstätte dafür.

Seit 2014 arbeite ich mit dem Institut Veda Vital (https://www.vedavital.at/) in Wien zusammen - auch dort wird Yoga und Ayurveda angeboten. Regelmäßige Besuche von Ayurvedaärzten aus Mumbai finden dort in meiner Zweitpraxis statt. Hier durfte ich die phantastischen Möglichkeiten der Pulsdiagnose genauer kennenlernen und beobachten, wie stark die Heilkraft der ayurvedischen Kräuter und Lebensweise ist.

Grundsätzlich setzt Ayurveda auf Prävention und Verjüngung des Körpers durch entschlackende Maßnahmen. Mittlerweile gibt es zahlreiche gute Bücher zum Thema, zum Beispiel von Vasant Lad „Selbstheilung mit Ayurveda“ oder ganz neu „Gesund und entspannt mit Ayurveda“ vom Sivananda Yoga Vedanta Zentrum.

Im Ayurveda wird von den 3 Doshas gesprochen, drei Energien, die den Körper durchdringen und die in unterschiedlicher Zusammensetzung in jedem Menschen vorkommen: Vata (Bewegung), Pitta (Feuer) und Kapha (Substanz). Bei jeder Krankheit besteht ein Ungleichgewicht der Doshas – wird dieses wiederhergestellt, wird der Mensch gesund. In jedem Menschen sind die Doshas anders gemischt, für jeden gilt ein anderes Gleichgewicht.

Leben wir nach den Regeln, denen die Natur folgt, bleiben wir körperlich, geistig und seelisch gesund und entwickeln uns im Lauf des Lebens weiter. „Ayurveda“ bedeutet das „Wissen vom guten und langen Leben“ und wurde durch geistige Schau erfahren. Die Originalschriften des Ayurveda sind einige tausend Jahre alt und sehr umfassend. Seit diese Wissenschaft im Westen angekommen ist, werden Studien und Forschungen durchgeführt, die erstaunliche Ergebnisse bringen und zeigen, wieviel der heute ganz „neu entdeckten“ Fakten schon damals bekannt waren!

Aus dem riesigen Wissensschatz des Ayurveda möchte ich ein Beispiel herausnehmen:

Zuviel Pitta bedeutet zu viel Hitze oder Feuer im Körper. Die typischen Symptome sind Schwitzen, fettige Haut, Juckreiz, brennende Schmerzen, roter Kopf, hitziges, aufbrausendes Gemüt. Entzündungen sind Pitta Erkrankungen. Alles, was die Pitta Energie beruhigt und ausgleicht ist in diesem Fall gut: Vermeiden von scharfen, sauren und würzigen Speisen, Kaffee, Aufregung, Schlafmangel – stattdessen vier kleine Mahlzeiten mit kalten, teilweise rohen Speisen, Massagen mit Kokosöl, Yoga und Meditation zur Beruhigung der Unruhe.

Der Pitta-Typ hat intensive Emotionen und soll sein Wettbewerbsdenken durch beruhigende Hobbies ausgleichen. Neurodermitis, Psoriasis, Allergien – das sind vorwiegend Pitta-Krankheiten und die Therapie mit Cortison erhöht Pitta im Organismus. Es ist unbedingt nötig, so rasch wie möglich von einer Cortisontherapie wegzukommen und ausgleichende Maßnahmen zu setzen.

Ganz viel gäbe es auch über Vata und seine Imbalancen im Körper und Geist zu sagen. Es heißt, das Vata-Dosha dominiert das dritte Lebensdrittel und ist verantwortlich für 90 Prozent aller Schmerzen im Körper, für Osteoporose, degenerative Prozesse, Ruhelosigkeit, Schlaflosigkeit und Trockenheit.

Hier hilft ein fester Tagesrhythmus, genug gesunde Öle und Fette in der Nahrung, warmes Essen, beruhigende Aktivitäten und regelmäßige Entspannung.

Im Jänner 2020, kurz vor dem Corona-Lockdown, hatte ich noch die Gelegenheit, die Ayurvedaklinik in Mumbai zu besuchen, die von Dr. Smita Naram geleitet wird. Sie ist die Ayurvedaärztin, mit der ich vorrangig im Veda-Vital-Zentrum zusammenarbeite. Ich sah PatientInnen aus Deutschland, Russland, der Schweiz und Österreich. Es war eine sehr spannende Erfahrung, zu sehen, wie es mitten in einer Riesenstadt wie Mumbai möglich ist, einen Ort der Ruhe und Gesundheit zu schaffen. Zur Klinik gehört auch eine ayurvedische Apotheke, in der Kräuterkombinationen erhältlich sind, die je nach Gesundheitszustand zum Ausgleich und zur Beruhigung, zur Entgiftung und Verbesserung des Stoffwechsels beitragen. In einer Abteilung finden die Anwendungen statt – Ölmassagen, Einläufe, Stirngüsse, Kräuterstempelmassagen und mehr. Auch das therapeutische Erbrechen, genannt Vamana, ist bei gewissen Konstitutionen eine hilfreiche Sache.

Ich bin durchaus der Ansicht, dass für uns Menschen die Kräuter, die in unserer Umgebung wachsen, das beste Heilmittel sind und wir unsere traditionelle europäische Medizin unbedingt wiederbeleben sollen. Doch mit Ayurveda wurde der ganzen Welt ein Schatz an tiefem Wissen über die geistigen und körperlichen Gesetze geschenkt, den auch die ganze Welt nutzen soll und darf. Es wird noch eine Weile dauern, aber eine Integration dieses Wissens in die lokalen Heilmethoden wird bestimmt stattfinden!

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