Es ist gut, wenn es etwas gibt, vor dem wir uns verneigen. Es ist gut, wenn wir tiefe Achtung und liebevolle Verehrung empfinden können. Dies schützt uns vor Hochmut und Einsamkeit.

Amma

Begegnung mit Amma

 

Im Laufe meines Lebens traf ich auf einige wunderbare LehrerInnen – die meisten davon durch Bücher, die mich inspirierten – und auf eine noch lebende Heilige, die bis heute meine geliebte und verehrte Lehrmeisterin ist: Mata Amritanandamayi. (www.embracingtheworld.org )

Drei Freundinnen erzählten mir von dieser Heiligen, die in Indien als Inkarnation der Göttlichen Mutter verehrt wird – das faszinierte mich, war ich doch damals, Anfang der 90er Jahre sehr an Matriarchatsforschung interessiert und geistig mit Heide Göttner Abendroth verbunden, die mehrere Bücher zu diesem Thema geschrieben hatte. Durch sie hatte ich die typischen Kennzeichen matriarchaler Kulturen kennengelernt und sehnte mich nach einer friedlichen Gesellschaft mit Respekt und Dankbarkeit vor Mutter Erde und den weiblichen Qualitäten.

Konnte es wirklich sein, dass heute, hier, auf dieser Erde eine Frau lebte, die als Göttin verehrt wurde? Wie würde sie aussehen, sich verhalten, was würde sie lehren? Hätte sie Zauberkräfte? Wäre sie allwissend? Vielleicht so wie Jesus, der Lahme und Blinde heilte und von dem Toten wiederauferstanden war? Würde sie alle Antworten auf alle Fragen haben?

Im Sommer 1992 begenete ich Amma das erste Mal – auf einem Programm in München. Weihnachten desselben Jahres flog ich mit meiner Tochter und einer Freundin für 6 Wochen nach Amritapuri, Ammas Ashram im südindischen Kerala. Und ja, es hat mich tief beeindruckt!

Amma ist schwer bis gar nicht erklärbar, deshalb will ich es gar nicht erst versuchen. Mich hat am meisten ihre Liebe und ihre Freiheit beeindruckt. Freiheit ist schwierig zu definieren, aber wir alle möchten sie gerne haben, oder? Es gibt die Freiheit des Körpers, des Geistes und der Seele. Manchmal glauben wir, mit viel Geld wären wir frei. Aber jedes unfreundliche Wort beeinflußt uns, egal wieviel Geld wir haben. Für mich ist ultimative Freiheit die Freiheit von Angst. Und das habe ich bei Amma gefunden. Und das möchte ich auch erreichen. Freiheit von allen Ängsten und Sorgen und die Freiheit, bedingungslos lieben zu können, egal, was zurückkommt.

Wie sieht mein Weg mit Amma also aus? Ich bin Teil der Wiener Satsanggruppe, die sich monatlich trifft. Wir singen devotionale Lieder und meditieren. Wir organisieren den jährlichen Besuch von Ammas Schüler, dem Mönch Shubamrita, und immer wieder mal einen Yogakurs oder eine Puja (Vedische Zeremonie) mit einer Schülerin aus dem Ashram.

Alle zwei Jahre reise ich in den Ashram – meistens über Neujahr, denn da ist Amma persönlich anwesend. In dieser besonderen Atmosphäre tanke ich auf und lerne mich noch besser kennen: Wie sehr beeinträchtigt mich die Hitze, der fehlende heimische Luxus? Ich treffe Menschen aus aller Welt und beobachte meine Reaktionen, meine Zuneigungen und auch meine Widerstände.

Das wesentlichste ist die Arbeit am eigenen Ego. Amma gibt uns Übungen, die den Geist ruhiger und das Herz liebevoller machen. Weg von Bewertungen und dem Verurteilen anderer. Immer wieder auf sich selbst zurückkommen – welche Gedanken lasse ich zu, welche Energien setze ich in die Welt? Habe ich heute die Liebe vermehrt oder nicht? Bin ich wieder ins intellektuelle Gerede abgedriftet? Konnte ich jemanden helfen?

„Die Schönheit und der Charme des selbstlosen Dienens sollte nicht verschwinden vom Antlitz der Erde“ ist eines meiner Lieblingszitate Ammas. Anderen eine Freude zu machen ist etwas Wunderschönes! Zum Glück sind so viele Richtungen entstanden, die genau diesen Ansatz lehren: In der Gewaltfreien Kommunikation von Marshall Rosenberg heißt es „Willst du glücklich sein oder recht haben?“ und die erfolgreiche Richtung des MBSR (Mindfulness Based Stress Reduction), wo Lehren aus dem Buddhismus, Zen und Yoga vereint wurden, postuliert auch, dass wir nicht voneinander getrennt sind.

Überhaupt ist das Ammas größtes Geheimnis: sie sagt, dass sie nichts und niemanden als getrennt von sich sieht. In allem sieht sie ihr eigenes Selbst. Und deshalb ist ihre Liebe bedingungslos und nicht abhängig davon, ob wer anderer sie zurückliebt oder hasst.

Wir sind mit unserem Körper identifiziert und fühlen uns als isolierte Geschöpfe, allein und abhängig. Allein die Vorstellung, ich wäre mit dem Kosmos identifiziert, ein riesiger Körper ohne Anfang und Ende, ist furchterregend. In der Bhagavad Gita gibt es das Kapitel „Der Yoga der Vision der kosmischen Form“. Der Schüler Arjuna bekommt das „göttliche“ Auge, mit dem er das unvergängliche Selbst sehen kann – und er ist zutiefst erschüttert. Dennoch ist das mein Ziel – das Geheimnis der Existenz zu ergründen, verstehen und – vielleicht! – erschauen!

Dazu sind einige Werkzeuge geeignet:

Stille – die Stille im Geist, die Ruhe der Gedanken, Innehalten

Singen – wenn aus tiefstem Herzen göttliche Lieder gesunden werden, vergessen wir die Welt und werden wieder unschuldig und freudvoll – nach dem Singen taucht eine selige Stille auf

Yogatechniken wie Asanas, Atemübungen, Selbstbeobachtung, Konzentration und Meditation

Amma begleitet mich seit über 25 Jahren – und ich sehe all meine anderen spirituellen Begegnungen wie Bruno Gröning, Omram Mikhael Aivanhov, die Bücher von Wladimir Megre und vieles mehr als ihre Geschenke, um weiterzukommen.

Es ist schön, sich tief im Inneren jemanden anzuvertrauen – ob es nun Jesus, die Heilige Maria, der Buddhismus oder ein anderer der vielen männlichen und weiblichen Heiligen ist. Gerade im Westen haben wir diesen Überhang des Intellekts – da tut es uns gut, uns zu verbeugen, etwas Höheres anzuerkennen. Es fördert die Unschuld des Herzens. Amma sagt, es sei die Selbstlose Liebe, die mütterliche Liebe, die auch in jedem Mann zu finden ist, die die Welt heute am meisten braucht.

Rein intellektuelles Denken ist trocken. Es braucht die süße Liebe des unschuldigen Herzens, die der Welt Heilung bringt. Wer liebt, wird keine Verbrechen begehen, keine Umweltzerstörung, keine egoistische Ressourcenverschwendung. Aber es erfordert die Liebe mit dem großen „L“, nicht die liebe mit dem kleinen „l“, die sich bloß auf unsere engsten Verwandten bezieht und voller Bedingungen und Ansprüche ist. Ja, ein großes Ziel, ein schönes Ideal, und mögen alle mutig genug sein, zu ihren Idealen zu stehen!

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