Der Yogaweg der Hingabe

Weisheit des Yoga

Bhakti

 

Bhakti bedeutet liebende Hingabe. Liebe um der Liebe willen. Hingabe an etwas, das man verehrt, vor dem man sich innerlich verneigt, weil es einem mit Ehrfurcht und Bewunderung erfüllt. Das kann die Natur sein. Das kann die ganze Schöpfung sein. Das kann die unsichtbare Macht hinter dieser großen, uns unbegreiflichen Manifestation des Kosmos sein. Es kann aber auch etwas ganz Kleines sein – das Wunder einer menschlichen Zelle oder das Wunder der menschlichen Größe im anderen.

Die Fähigkeit zu einer solchen Hingabe ist nicht selbstverständlich. Bhakti kommt aus dem Herzen. Aus einem unschuldigen Herzen. Ein Herz ohne Scheu, sich zu verbeugen. Ein Herz das größer ist als das Ego. Größer als unser Stolz und unsere Angst, sich lächerlich zu machen.

Wer fähig ist, sich vor jemanden zu verneigen, ist gegen die Blindheit der Selbstüberschätzung gefeit. Zu wahrem Bhakti braucht es wahre Größe.

Im Kapitel 12 der Bhagavad Gita geht es um Bhakti und die Kennzeichen eines Bhakta:

„Wer kein Geschöpf hasst, wer zu allen freundlich und mitfühlend ist, wer frei ist von Verhaftung und Ichgedanken, ausgeglichen in Freude und Schmerz und nachsichtig.“

Diese Menschen ruhen in Gott und sehen alle Wesen als sich selbst. Ein solcher Mensch hat Karuna – er oder sie versetzt sich selbst in die Stelle eines Leidenden und fühlt dessen Schmerz. Erbarmen ist eine göttliche Eigenschaft und auch ein Mensch kann sie entwickeln.

Der Weg des Bhakti Yoga beinhaltet gewisse Rituale, die diese Hingabe fördern. Es wird auf liebevolle Weise dem Heiligen ein Platz in der Wohnung eingeräumt. Dieser Platz wird stets sauber und schön gehalten. Ein Licht wird täglich entzündet, ein Gebet gesprochen. Vielleicht werden Blütenblätter vor eine Kerze gelegt. Das Licht symbolisiert das innere Licht unserer Seele. Der Altar steht für unser innerstes, unsterbliches Wesen. So wie dieser äußere Platz gepflegt wird, so pflegen wir den Umgang mit unserer Seele.

In schweren Zeiten hilft diese tägliche Begegnung, uns an das Licht zu erinnern. Daran, dass wir nie allein sind und unsere Seele ewig, unsterblich, unzerstörbar und frei ist.